Hertha marschiert, Nürnberg bleibt dran – und die 2. Bundesliga bekommt eine Geschichte
Als Mohamed Alì Zoma am Samstagmittag in Karlsruhe den Ball über Hans Christian Bernat hob, war das Spiel noch keine halbe Stunde alt. Nürnberg führte 1:0. Mehr Tore sollten an diesem Nachmittag nicht fallen. Einige Stunden später lag Hertha BSC in Dresden zurück und musste sich den sechsten Sieg deutlich härter erarbeiten. Jón Dagur Thorsteinsson traf zweimal, Berlin gewann 2:1.
Am Ende dieses Samstags standen zwei Ergebnisse, die für sich genommen wenig miteinander zu tun haben. Zusammen erzählen sie die bislang interessanteste Geschichte dieser Zweitliga-Saison.
34 Punkte aus 36 möglichen
Hertha hat sechs Spiele gewonnen. Nürnberg hat fünf gewonnen und eines unentschieden gespielt. 34 von 36 möglichen Punkten sind bei den beiden Führenden gelandet. Hinter ihnen beginnt bereits eine andere Tabellenregion.
Der Vorsprung allein macht diese Konstellation noch nicht außergewöhnlich. Interessanter ist, wie unterschiedlich beide Mannschaften dort angekommen sind. Nürnberg begann die Saison mit Tempo und Toren. Drei Treffer gegen Dresden, vier in Fürth, vier gegen Bielefeld. Der Club wirkte in seinen besten Phasen wie eine Mannschaft, die Spiele beschleunigen kann, sobald sich ein Gegner öffnet.
Karlsruhe verlangte etwas anderes. Der KSC ließ sich nicht abschießen. Nürnberg musste nach Zomas Führung eine Stunde lang mit einem knappen Ergebnis leben. Genau das gelang.
Hertha gewinnt auch den unbequemen Abend
Berlin reiste mit fünf Siegen nach Dresden und bekam dort früh zu spüren, wie schnell eine perfekte Serie unter Druck geraten kann. Patrice Čović brachte Dynamo nach zehn Minuten in Führung. Das Stadion war da, Dresden war da, Hertha zunächst nur teilweise.
Thorsteinsson glich aus. Das Spiel blieb offen. Zehn Minuten vor Schluss traf der Isländer erneut und verwandelte einen schwierigen Auswärtsabend in den sechsten Berliner Sieg.
Solche Spiele sind im September noch keine Beweise für einen Aufstieg. Sie sind Hinweise auf die Fähigkeit, schlechte Phasen zu überstehen. In einer Liga mit 34 Spieltagen ist das oft wertvoller als ein einzelner spektakulärer Nachmittag.
Die Verfolger sind nicht weg
Heidenheim steht bei zwölf Punkten aus fünf Spielen und kann den Abstand noch verkürzen. Wolfsburg hat Darmstadt gerade 5:1 geschlagen. Kaiserslautern sammelt Punkte, Magdeburg ist ordentlich gestartet. Niemand muss nach sechs Runden eine Zweiklassengesellschaft ausrufen.
Die beiden Führenden haben der Konkurrenz trotzdem eine Aufgabe gestellt. Wer in den kommenden Wochen oben mitreden will, muss nicht nur selbst gewinnen. Er muss darauf hoffen, dass Hertha und Nürnberg irgendwann beginnen, Punkte in einem normaleren Tempo abzugeben.
Der nächste Prüfstein wartet bereits
Nach der Länderspielpause empfängt Nürnberg am Samstagabend Wolfsburg. Hertha spielt zu Hause gegen Fürth. Das sind zwei unterschiedliche Aufgaben. Für den FCN ist Wolfsburg der direkte Test gegen eine Mannschaft, die sich selbst zur Spitzengruppe zählt. Hertha geht als klarer Favorit in sein Heimspiel und muss mit genau dieser Rolle umgehen.
Vielleicht sieht die Tabelle Mitte Oktober schon wieder gewöhnlicher aus. Vielleicht hält die Serie. Sicher ist nur, dass die Saison inzwischen eine erste große Frage besitzt. Wie lange können Hertha und Nürnberg dieses Tempo halten?