74 Spieler auf Reisen: Wie international ist die 2. Bundesliga wirklich?

Wenn die 2. Bundesliga für ein Wochenende ruht, leert sich an vielen Trainingsplätzen das Gelände. In dieser Länderspielpause fehlen den Clubs nicht nur ein paar Talente, die zu Nachwuchsauswahlen reisen. Spieler aus Deutschlands zweiter Liga sind für Italien und Japan unterwegs, für Ghana und Australien, für Togo, Finnland, Syrien oder Palästina.
74 Spieler aus der 2. Bundesliga führt die offizielle Abstellungsliste für die aktuelle Länderspielperiode.
74 Spieler aus einer Liga mit 18 Vereinen.
Und hinter dieser Zahl steckt eine zweite, die noch mehr über die Internationalität der Liga verrät: 33 dieser Spieler gehören A-Nationalmannschaften an.
Fast jeder zweite.
Die 2. Bundesliga mag im deutschen Ligensystem die zweite Spielklasse sein. Für zahlreiche Nationalmannschaften ist sie längst ein ganz normaler Ort, um ihre Spieler zu finden.

16 von 18 Vereinen stellen Nationalspieler ab
Schon die Verteilung über die Liga ist bemerkenswert.
16 der 18 Zweitligisten tauchen in der Abstellungsliste auf. Lediglich der VfL Osnabrück und der SV Darmstadt 98 sind dort während dieser Länderspielperiode ohne Spieler vertreten.
An der Spitze stehen der 1. FC Nürnberg und der VfL Wolfsburg mit jeweils acht Abstellungen. Dahinter folgen der 1. FC Magdeburg, Hannover 96 und der Karlsruher SC mit jeweils sieben.
Hertha BSC und der 1. FC Kaiserslautern kommen auf jeweils sechs.

Die Internationalität konzentriert sich damit keineswegs nur auf zwei oder drei besonders prominent besetzte Kader.
Sie zieht sich fast durch die gesamte Liga.
Dabei erzählen die reinen Abstellungszahlen allerdings nur einen Teil der Geschichte. Denn zwischen einem U18-Lehrgang und einem Pflichtspiel für eine A-Nationalmannschaft liegen sportlich Welten.
Deshalb lohnt sich der zweite Blick.
33 Spieler sind bei A-Nationalmannschaften
Von den 74 Spielern der offiziellen Abstellungsliste gehören nach unserer Auswertung 33 zu A-Nationalmannschaften.
Das entspricht knapp 45 Prozent.
Beim 1. FC Nürnberg sind es vier: Adam Markhiyev spielt für Finnland, Mohamed Alì Zoma für Italien, Khalid Abu El Haija für Palästina und Can Moustfa für Syrien.
Beim VfL Wolfsburg sind ebenfalls vier A-Nationalspieler unterwegs. Joakim Mæhle spielt für Dänemark, Jonas Adjetey für Ghana, Kento Shiogai für Japan und Alexander Bernhardsson für Schweden.
Auch Magdeburg stellt vier Spieler für A-Auswahlen ab.
Damit wird aus der Länderspielpause etwas anderes als eine reine Nachwuchsveranstaltung für Zweitligisten.
Ein erheblicher Teil der Spieler reist zu Mannschaften, die um Qualifikationen, Turniere und internationale Ranglistenpunkte spielen.
Und einige von ihnen kehren mit Geschichten zurück.
Zoma, Shiogai und Koudossou zeigen, was hinter den Zahlen steckt
Mohamed Alì Zoma vom 1. FC Nürnberg ist eines der auffälligsten Beispiele dieser Länderspielperiode.
Der Nürnberger gehört inzwischen zur italienischen A-Nationalmannschaft. Für einen Zweitligaspieler ist allein diese Kombination bemerkenswert: ein Spieler aus Deutschlands zweiter Spielklasse im Kader einer der großen europäischen Fußballnationen.
Beim VfL Wolfsburg erlebt Kento Shiogai seine eigene internationale Geschichte.
Während der japanische Angreifer in der 2. Bundesliga noch auf seinen ersten Saisontreffer wartet, gelang ihm gegen Uruguay sein erstes Tor für Japans A-Nationalmannschaft.
Und bei Arminia Bielefeld führte die Länderspielpause Henri Koudossou erstmals zur Nationalmannschaft Togos. Mit 27 Jahren stand der Außenverteidiger gegen Burundi direkt in der Startelf und spielte beim 1:0-Sieg über die gesamten 90 Minuten.
Drei Spieler. Drei Vereine. Drei Nationalmannschaften.
Italien, Japan und Togo könnten fußballerisch kaum unterschiedlicher sein.
Verbunden werden diese Geschichten durch dieselbe Liga.
Die zweite Liga reicht weit über Europa hinaus
Wer bei Internationalität im deutschen Profifußball zuerst an die Bundesliga denkt, liegt natürlich nicht falsch. Die finanzielle und sportliche Strahlkraft der ersten Liga sorgt dafür, dass dort Nationalspieler aus aller Welt beschäftigt sind.
Bemerkenswert ist, wie weit dieses Prinzip inzwischen auch eine Etage tiefer reicht.
Zweitligaspieler sind in dieser Länderspielphase nicht nur für Deutschland und seine europäischen Nachbarn unterwegs.
Ghana gehört dazu. Togo und Gambia. Australien und Japan. Palästina und Syrien. Spieler reisen zu Nationalmannschaften im südlichen Afrika und in den Nahen Osten.

Damit wird die Länderspielpause für manche Zweitligisten zu einer logistischen Herausforderung.
Während ein Teil des Kaders am Trainingsplatz bleibt, reisen andere Spieler über Kontinente hinweg, absolvieren Spiele unter völlig anderen klimatischen und sportlichen Bedingungen und kehren teilweise erst wenige Tage vor dem nächsten Ligaspiel zurück.
Für Trainer bedeutet Internationalität deshalb auch: Belastung steuern, Rückreisen berücksichtigen und Trainingsarbeit mit einem unvollständigen Kader organisieren.
Nürnberg und Wolfsburg verlieren jeweils acht Spieler
Besonders sichtbar wird das bei den Clubs mit den meisten Abstellungen.
Acht Spieler fehlen beim 1. FC Nürnberg aufgrund internationaler Verpflichtungen. Acht sind es auch beim VfL Wolfsburg.
Beim FCN verteilt sich das auf A-Nationalmannschaften und Nachwuchsauswahlen. Neben Markhiyev, Zoma, Abu El Haija und Moustfa sind weitere Nürnberger mit Juniorenteams unterwegs.
Ähnlich sieht es in Wolfsburg aus.
Für einen Trainer verändert eine solche Länderspielpause die Arbeit erheblich. Ein beträchtlicher Teil des Kaders steht zeitweise nicht zur Verfügung. Gleichzeitig kommen Spieler mit völlig unterschiedlichen Belastungen zurück: manche nach zwei kompletten Länderspielen, andere nach wenigen Minuten, wieder andere nach langen Reisen ohne Einsatz.
Die Zahl der Nationalspieler ist deshalb Auszeichnung und Problem zugleich.
Sie zeigt die Qualität und internationale Wahrnehmung eines Kaders.
Sie erschwert aber genau jene Trainingsphasen, die Trainer während einer Ligapause normalerweise nutzen könnten.
Und dann ist da St. Pauli
Eine besonders ungewöhnliche Konstellation findet sich beim FC St. Pauli.
Vier Spieler des Clubs stehen auf der offiziellen Abstellungsliste.
Alle vier gehören A-Nationalmannschaften an.
Connor Metcalfe spielt für Australien, Dimitar Mitov für Bulgarien, Abdoulie Ceesay für Gambia und Tomoya Andō für Japan.

Vier Spieler, vier Länder.
Damit unterscheidet sich St. Pauli deutlich von Clubs, deren hohe Abstellungszahlen teilweise durch zahlreiche Nachwuchsnationalspieler entstehen.
Wie ungewöhnlich diese Konstellation tatsächlich ist und welche Rolle die vier Spieler in ihren Nationalmannschaften spielen, verdient eine eigene Betrachtung.
Für den Blick auf die gesamte Liga zeigt das Beispiel bereits etwas anderes: Internationalität lässt sich nicht allein an der absoluten Zahl der abgestellten Spieler messen.
Die Zahlen haben Grenzen
Wer die Internationalität einer Liga zählen möchte, stößt allerdings schnell auf ein methodisches Problem.
Vereine und Verbände zählen nicht immer dasselbe.
Die offizielle Abstellungsliste weist für Hannover 96 beispielsweise sieben Spieler aus. Der Club selbst berichtet von neun Akteuren aus Profikader und Akademie, die während der Länderspielphase unterwegs sind.
Ähnliche Unterschiede entstehen, wenn Vereine zusätzlich U18- oder U16-Lehrgänge berücksichtigen.
Für diese Auswertung verwenden wir deshalb die offizielle Abstellungsliste als einheitliche Grundlage. Zusätzliche Vereinsmeldungen werden nicht einfach aufaddiert, weil dadurch unterschiedliche Auswahlstufen miteinander vermischt würden.
Die 74 sind deshalb keine Behauptung darüber, wie viele Spieler aus sämtlichen Nachwuchsmannschaften der Zweitligisten irgendwo ein Nationalmannschaftstrikot tragen.
Sie beschreiben einen klar definierten Ausschnitt.
Und selbst dieser Ausschnitt ist groß genug.
Eine internationale Liga mit sehr deutschem Gesicht
Das vielleicht Interessanteste daran ist der Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung.
Die 2. Bundesliga lebt stark von ihrer deutschen Fußballidentität. Traditionsvereine, große Stadien, volle Gästeblöcke und regionale Rivalitäten prägen ihr Bild.
Nürnberg, Kaiserslautern, Hertha, Hannover, Bochum, Karlsruhe oder Bielefeld stehen für Fußballgeschichten, die tief in Deutschland verwurzelt sind.
Auf dem Platz sieht die Liga längst internationaler aus.
Spieler aus diesen Vereinen vertreten Nationalmannschaften auf mehreren Kontinenten. Einige sind dort Ergänzungsspieler, andere Stammkräfte. Manche stehen am Beginn ihrer internationalen Karriere, andere haben längst Dutzende Länderspiele absolviert.
Die 2. Bundesliga ist damit gleichzeitig sehr deutsch und sehr international.
Vielleicht erklärt gerade diese Mischung einen Teil ihrer Attraktivität.
Mehr als eine Zahl
74 abgestellte Spieler klingen zunächst nach einer Statistik für eine Länderspielpause.
Bei genauerem Hinsehen erzählen sie jedoch einiges darüber, wie sich die 2. Bundesliga zusammensetzt.
16 von 18 Clubs stellen Spieler ab.
33 Akteure gehören A-Nationalmannschaften an.
Dazu kommen zahlreiche Juniorennationalspieler, die möglicherweise erst am Anfang ihrer internationalen Karriere stehen.
Und hinter diesen Zahlen stecken Geschichten wie die von Zoma, Shiogai oder Koudossou.
Die nächste davon kennen wir wahrscheinlich noch nicht.
Irgendwo zwischen einem Trainingsplatz in Deutschland und einem Nationalstadion Tausende Kilometer entfernt könnte sie gerade entstehen.
Datengrundlage
Grundlage dieser Auswertung ist die fortlaufend aktualisierte offizielle Abstellungsliste von Bundesliga/DFL für die aktuelle Länderspielperiode, Stand 28. September 2026. Vereinsmeldungen wurden zur Plausibilisierung herangezogen; zusätzliche Akademie- und Lehrgangsteilnehmer wurden nicht auf die 74 aufaddiert. Die redaktionelle Infografik ist KI-generiert und visualisiert die recherchierten Daten; sie ist keine dokumentarische Aufnahme.